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Thema: Ausstellung - 09. Juli 2009 - Lea Böttger

Fragen und Antworten in Eisen

Ein Interview mit dem Bildhauer und Goldschmied Gonzalo Sainz-Trapaga.

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Gonzalo Sainz-Trapaga ist seit 1994 als Bildhauer und Goldschmied in der Bonner Altstadt tätig. Einige seiner Skulpturen sind zur Zeit im Landgericht Bonn ausgestellt. Lea Böttger sprach mit dem Künstler.

Kultur-in-Bonn.de: Gonzalo, wie bist Du Goldschmied geworden?

Gonzalo Sainz-Trapaga: Ich bin Autodidakt. Als ich jung war, lebte ich in Argentinien. Einmal kam mein Vater zurück von einer Arbeitsreise aus Mexiko und brachte zwei große silberne Schalen mit, ich kann mich genau erinnern. Die standen dann im Wohnzimmer. Ich liebte den Klang, wenn man an die Schalen klopfte. Ich hatte so eine innige Beziehung zu diesen silbernen Schalen, dass ich eines Tages mit Silber arbeiten wollte.

Dann wurde ich Weltenbummler, ich habe mit 22 das Land verlassen und vieles, vieles gemacht und gelernt. Mit 36 dachte ich dann: Was gibt es, was Du schon immer machen wolltest und nicht gemacht hast? Ich wollte mit Silber arbeiten.

Gleichzeitig hatte ich zu dieser Zeit eine wichtige Entscheidung getroffen. Ich habe beschlossen, den Rest meines Lebens nur der Kunst zu widmen und dem Suchen. Das war eine sehr, sehr tiefe Entscheidung. Ich würde nicht mal Jobs nebenbei machen, um Geld zu verdienen. Mir war wichtig, dass es keine lauwarme Sache ist.

Und dann fing ich an, kleine Gegenstände zu machen, kleine Skulpturen mit Steinen und Schrottteilen, die ich auf Schrottplätzen fand. Irgendwann wurde ich dann mutiger und wollte mit Silber arbeiten und so kaufte ich mir zwei Stück Silber für 200 Mark - das war ein Schatz für mich! Und dann traute ich mich nicht, weil ich Angst hatte, alles kaputt zu machen. Deshalb habe ich dann Kupfer genommen und damit angefangen. Aber ich bin schnell, ich bin ein Straßenköter, ich werde schnell mutig. Ich habe ein paar Hammerschläge gemacht und festgestellt, dass Kupfer sich einigermaßen treiben und löten lässt. Dann habe ich angefangen mit dem Silber zu arbeiten. Und so ging es los. Der Rest war Erfahrung, es gab eine kleine Ausstellung und es kam eine Frau und wollte einen silbernen Ring von mir kaufen. Ich konnte das gar nicht glauben und fragte: "Wirklich? Wirklich?". Dann wurde ich immer mutiger, ich merkte, dass die Menschen meine Sachen mögen. Wenn ich heute Fotos davon sehe, finde ich es zum Teil ein bisschen unreif. Aber damals fand ich es ganz toll.

Irgendwann merkte ich, dass es hier auch Goldschmiedeschulen mit ganz tollen Ausbildungen gibt. Das war mir alles so fern. Eines Tages fasste ich aber Mut und fuhr mit dem Zug nach Pforzheim, wo die berühmteste Goldschmiedeschule Deutschlands ist. Ich wollte sehen, wie so eine Schule aussieht oder ob ich eine Chance hätte, dort irgendwie etwas zu lernen. Ich lebte zu weit weg und hatte kein Geld und war wahrscheinlich zu alt dafür. Ich wollte mal so reinschnuppern. Die Sekretärin wusste mit mir nichts anzufangen, aber ein Professor nahm mich mit in seine Klasse. Dreißig Schüler, die mit ultramodernen Werkbänken mit feinstem Werkzeug, wovon ich nur träumen konnte, arbeiteten. Ich beklagte mich ein bisschen bei dem Professor über meine Situation, aber er sagte zu mir: „Wissen Sie, diese jungen Leute müssen alle fünf Minuten aufstehen und mich fragen, wie es geht. Aber Sie lernen vom Leben, Ihre Lehrer sind Ihre Kunden. Sie müssen ihre Sachen gut machen. Ihre Rückmeldungen sind viel echter und viel direkter. Ihre Schule die beste Schule. Machen Sie weiter so!“. Er hat meine Beschwerde gar nicht angenommen. Dann bin ich zurück nach Bonn gegangen und habe weiter gemacht. Dann kam jemand und fragte mich, ob ich ihm Eheringe aus Gold machen könne. Das war eine große Herausforderung. So kaufte ich zum ersten Mal Gold. Das ist über 15 Jahre her und seit damals bin ich Goldschmied. Ich hatte mein erstes großes Bildhaueratelier in einem Bauernhof im Westerwald, von einem Freund von mir. Ich hatte ein Schmiedefeuer in einem Scheunenteil mit drei Wänden, da arbeitete ich bei minus 20 Grad, draußen Schnee. Ich war jung und kräftig und arbeitete am Feuer mit schwerem Eisen, mit Werkzeugen, die ich aus der DDR mit einem gemieteten LKW geholt hatte. Ich brauchte auch einen Job zum Geldverdienen, denn ich hatte keine Eltern oder ein Erbe, womit ich meine künstlerischen Aktivitäten hätte finanzieren können. Je nachdem, wieviel Geld ich hatte und wieviel Geld ich brauchte, ging ich zwei, drei Tage die Woche in mein Atelier. So wurde ich zum Goldschmied.

Kultur-in-Bonn.de: Gibt es ein Material, mit dem Du besonders gerne arbeitest?

Gonzalo Sainz-Trapaga: Die Materialien, die ich in der Goldschmiede bearbeite, hauptsächlich Silber, Gold, Elektrum [eine Gold-Silber-Legierung, Anm. der Redaktion], Weißgold sind mir alle vertraut, ich habe da keine Präferenz. Aber mittlerweile bin ich das gewöhnt, es begeistert mich nicht mehr.

Im Atelier arbeite ich mit Eisen, glühendem Eisen, ich mache Skulpturen und das Eisen begeistert mich sehr. Das ist schwierig zu beschreiben, aber meine Bildhauerarbeit ist sehr poetisch und viel feiner als die Goldschmiedearbeit. Auch wenn ich ein großes, schweres Eisen ins Feuer tue und mit großen Hämmern hämmere, mit großen Pressen drücke und biege - es ist alles ein sehr zarter Prozess, ein sehr poetischer Prozess. Poesie, Dichtung ist "dichten", man verdichtet da und mit dem glühenden Eisen ist es auch so. Ich glühe ein großes Stück Eisen und es dauert lange, bis es richtig ganz schön hell glüht. Dann hole ich es da raus und was ich dann in diesem Zustand mache, ist, dass ich vielleicht eine Biegung um ein Grad verändere, es geht um eine Kleinigkeit. Es geht nur darum, dass die eine Kurve ein bisschen offener, ein bisschen geschlossener, ein bisschen dichter ist. Und das ist das Poetische, ist das Zarte, ist das Meditative. Es ist magisch.

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