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Literatur – 09. Oktober 2017 – Jürgen Hermann
KRITIK

Sothens Aufstieg und Fall

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Anna-Elisabeth Mayer: Am Himmel. (Bild: Verlag)

Das Emporkommen und den gewaltsamen Tod eines sowohl bewunderten als auch verhassten Mannes macht Anna-Elisabeth Mayer zum Gegenstand ihres Romans „Am Himmel“.
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Baron Johann von Sothen arbeitet sich in dieser Geschichte nach oben, vom Losverkäufer zum Millionär – mit dubiosen, nicht immer korrekten Finanzgeschäften. Er erhält sogar den Adelstitel. Von Betrügereien will niemand etwas wissen. Als repräsentatives Anwesen erwirbt er ein Schloss mit der Bezeichnung „Am Himmel“.

„Als das Ansehen zum Ausbruch kam, sah man es deutlich an der Art des Grüßens“, lesen wir. „Sothen wurde gegrüßt, bevor er es tat. Das Geld hatte die Grußrichtung umgedreht.“ Zur Überraschung des Protagonisten beginnt mit einer beträchtlichen Spende der Aufstieg. Der Neureiche stellt für Kriegsinvaliden eine hohe Summe zur Verfügung, wird mit Orden und Ehrungen überhäuft und schließlich in den sächsischen Freiherrnstand mit dem Titel eines Barons erhoben.

Gleichzeitig schikaniert und drangsaliert Sothen seine Mitarbeiter, er führt sich auf wie ein arroganter Gutsherr und demütigt „das Gesinde“. Nicht einmal altes Holz dürfen die Angestellten zum Feuermachen aufsammeln; kaum haben sie genug zu essen für sich und ihre Kinder. Es kommt zu einer dramatischen Eskalation; ein tödlicher Schuss fällt. Forstaufseher Eduard Hüttler, der sich jahrelang duckte und alles hinnahm, hebt die Flinte und drückt ab. Folglich liegt der als Menschenschinder verhasste Baron wenig später auf dem improvisierten Autopsietisch des Gerichtsarztes.

Was genau geschah vor dieser Bluttat, wo liegt Hüttlers Mordmotiv, und wie schaffte es Sothen, zu Reichtum, Ehre und Adelstitel zu kommen? Dies erfahren wir im weiteren Verlauf des Buches ebenso wie Details zum folgenden Schwurgerichtsverfahren gegen Hüttler. Sowohl Sothens Begräbnis als auch der Prozess finden enorme öffentliche Anteilnahme. Die Geschichte basiert recht detailgenau auf einer realen Person, die im Wien des 19. Jahrhunderts lebte und tatsächlich vom Forstaufseher getötet wurde. Wie werden die Geschworenen Sothens Ermordung ahnden?

In einer ungewöhnlichen Sprache verfasste die aus Salzburg stammende und mehrfach ausgezeichnete Autorin Anna-Elisabeth Mayer ihren Roman. Der nüchtern-spröde Stil passt zu diesem historischen Kriminalroman, der auch ein Gesellschafts- und Sittenbild ist. Zugleich lesen wir einen Heimatroman, wo es noch Bauerntracht und Gesindehaus gibt, sowie die Geschichte eines harten Gutsherren – dessen literarisches angelsächsisches Pendant in „Der kleine Lord“ vom charmanten Enkel geläutert wird.

Anna-Elisabeth Mayer: Am Himmel. Roman. 204 Seiten. Schöffling & Co. Verlagsbuchhandlung, Frankfurt am Main 2017. 20,00 Euro.



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