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Literatur – 17. Januar 2018 – Jürgen Hermann
KRITIK

Elvis‘ zweites Leben

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Tobias Geigenmüller schickt den vermeintlich toten Elvis in ein ziemlich lebendiges zweites Leben. (Bild: Verlag)

Am Nachmittag des 17. August 1977 blickt der King of Rock’n’Roll zurück – auf sein Leben und auf seinen „Tod“ am Tag zuvor.
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Denn Elvis Presley geht es in Tobias Geigenmüllers skurriler Geschichte vergleichsweise gut. Er ist quicklebendig und putzmunter, während die Musikwelt, die USA und Menschen auf allen Kontinenten um den vermeintlich im Alter von 42 Jahren verstorbenen, zuletzt stark übergewichtigen und medikamentenabhängigen Superstar des Showbusiness trauern.

In einer bescheidenen, abgedunkelten Dreizimmerwohnung beobachtet Elvis das Geschehen. Er ist zurück in Tupelo, in der Stadt im Bundesstaat Mississippi, wo er geboren wurde und aufwuchs. Sein inszeniertes Ableben war die Glanzleistung eingeweihter Mitarbeiter der „Memphis Mafia“, und der Verwaltungschef des Baptist Memorial Hospital, in dem Elvis schon Stammgast war, sorgte dafür, dass man Presley medizinisch und amtlich für tot erklärte.

Und während man eine Wachspuppe in Graceland aufbahrt und später auf dem Forest Hill Cemetery in Memphis zu Grabe trägt, reflektiert Elvis seine Kindheit in Tupelo. Es waren Jahre in bitterer Armut, denn Vater Vernon scheiterte bei vielen schlecht bezahlten beruflichen Tätigkeiten. Die Ehe der Eltern war zerrüttet, Vernon ging fremd, und Gladys suchte Trost im Alkohol.

Elvis, der Totalaussteiger aus seinem bisherigen Leben, geht „post mortem“ ohne Zögern zurück an die Arbeit. Er trägt nun den Namen John Carpenter und will wieder wie vor seiner Karriere ans Steuer eines Lastwagens. Doch die Realität des gewöhnlichen Berufsalltags ist ernüchternd und bitter: „40 Wochenstunden arbeiten! Ohne Applaus? Ohne Catering? Ohne Groupies? So ungefähr stellte er sich die Hölle vor. Schließlich wollte er Lieferwagenfahrer sein und kein Sklave.“


Der King zurück am Steuer des Lastwagens

Und doch fährt der King fortan für eine bescheidene Entlohnung einen klapprigen Ford Pickup, ohne Bar und ohne goldüberzogene Armaturen, von einer Baustelle zur anderen. Den .45er-Colt trägt er, eine alte Gewohnheit, immer im Hosenbund. Nach Feierabend stellt er mit Genugtuung fest, dass ihn niemand beachtet, dass keiner ein Autogramm haben oder Fotos von ihm machen will. Elvis sitzt entspannt in einem Fastfood-Restaurant, trinkt Bier und bestellt acht Cheeseburger. Allerdings haben sich die Zeiten seit den Diners mit ihren adretten Kellnerinnen geändert: Sein Essen, so lernt er, muss man sich hier schon selber holen.

Die Zweifel am neuen Leben wachsen: „Wie konnten normale Menschen nur einen Sinn darin finden, tagein, tagaus frühmorgens aufzustehen, den lieben langen Tag zu arbeiten und abends erschöpft schlafen zu gehen? Reichte ihnen dieses kleine Leben wirklich aus? Für Elvis stand jedenfalls eines fest: Dafür war er nicht gestorben.“ Er wird mit allerlei Finessen seinen Rausschmiss erreichen – und sich anschließend bei einer Agentur als Elvis-Imitator vorstellen.

Wem das bereits zu schräg ist, wird sich wundern, was noch alles kommt in diesem Buch. Die Stichworte Schabowskis Zettel und der Berliner Mauerfall, der Kultfilm Pretty Woman sowie Michael Jacksons deformierte Nase mögen den Appetit auf die Lektüre heben; derweil macht sich Colonel Tom Parker auf die Suche nach seinem Star. Mehr wird nicht verraten.

Tobias Geigenmüller ist eine witzige, so richtig abgedrehte Satire über Elvis gelungen. Zum King hat er übrigens sein spezielles biographisches Verhältnis, denn er wurde tatsächlich am 17. August 1977 geboren, am Tag nach Presleys vermeintlichem Ableben. Vieleicht chillt Elvis ja mit Jim Morrison, Jimi Hendrix und einer englischen Prinzessin auf einer abgelegenen Südseeinsel und genießt das entspannte Leben nach dem Ruhm ...

Tobias Geigenmüller: Das ziemlich lebendige Leben des vermeintlich toten Elvis. Roman. 256 Seiten. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2017. 16,99 Euro.

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