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Literatur – 03. Dezember 2017 – Jürgen Hermann
KRITIK

Die Mordgedanken des Grafen

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Amélie Nothomb: Töte mich! (Bild: Verlag)

Henri Neville plant eine Bluttat. Seine Tochter offeriert sich in Amélie Nothombs neuem Roman als Opfer: „Töte mich!"
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Der belgische Adelsmann ist Madame Portenduère dankbar, dass sie seine siebzehnjährige, von zuhause verschwundene Tochter Sérieuse im Wald fand und zurückbrachte. Doch dann spricht die Wahrsagerin eine Prophezeiung aus, die ihn erstarren lässt: Auf einem großen Empfang, den er demnächst gebe, werde Henri einen der Gäste töten. Aber kein Grund zur Sorge, alles werde „wunderbar ausgehen“.

Diese Weissagung überschattet die Vorbereitung der jährlichen Gartenparty im Châteu du Pluvier, einem wichtigen gesellschaftlichen Ereignis in den Ardennen. Hinzu kommt, dass die Nevilles mittellos wurden und ihnen ihr etwas heruntergekommenes Schloss gar nicht mehr gehört, es ihnen nur für diesen Anlass noch zur Verfügung steht. Viele Familienerinnerungen, gute wie schlechte, verbinden sich für Henri mit dem Gebäude.

Allmählich findet der Graf zur Erkenntnis, dass die Bluttat stattfinden muss. Wird die Gattin ihn dafür bewundern, wenn er wegen Mordes im Gefängnis sitzt, werden die Kinder ihre gesellschaftliche Stellung behalten? Den Mann bewegen somit ganz besondere Gedanken zu seiner Gartenparty, und er erfährt, dass nur bei einem spontanen Tötungsdelikt das Ansehen der Angehörigen erhalten bleibt: „In einer Aufwallung von Zorn einen Gast zu töten, das hat Klasse, das ist schick“, klärt ihn ein Bekannter auf. Vorsätzlicher Mord gelte hingegen als unfein und sei völlig inakzeptabel.

Wir erfahren, dass Tochter Sérieuse, einst ein vor Lebens- und Kontaktfreude berstendes Kind, mit Beginn der Pubertät einzelgängerisch, mürrisch und schwierig wurde. Sie hörte die Weissagung mit, kommt nun in des Grafen Arbeitszimmer und betont: „Du brauchst Hilfe, Papa!“ Sie selbst sei zweifelsfrei die passende Person, welche Henri auf der Gartenparty töten solle. „Mama hat mich unter Schmerzen geboren, deshalb sollst du mich unter Schmerzen töten.“ Schließlich gebe es Vorbilder in der Geschichte – wie Agamemnon und seine geliebte Tochter Iphigenie.

Amélie Nothomb, die von Belgiens König vor zwei Jahren in den Adelsstand erhoben wurde und den Titel Baronesse trägt, zeichnet ein von feiner Ironie und eleganten Dialogen getragenes Sittenbild der Aristokratie in ihrem Heimatland. Sie beschreibt philosophische Gespräche zwischen Vater und Tochter, zwischen Henri und Sérieuse, und am nun wahrlich überraschenden Ende dieser doch recht skurrilen Geschichte fragt sich der Leser, ob er nicht ein Märchen vor sich hat. Die einen werden dieses Buch lieben, während andere ins Sinnieren kommen: Was will uns die Autorin (der wir mehrere lesenswerte Werke verdanken) mit diesem Roman sagen?


Amélie Nothomb: Töte mich. [Le crime du comte Neville]. Roman. Aus dem Französischen von Brigitte Große. 112 Seiten. Diogenes Verlag, Zürich 2017. 20,00 Euro.



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