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Literatur, Medien, Sonstiges – 20. April 2010 – Lea Böttger
KRITIK

Afrika für Affen, Europa für die Weißen!

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Stand Rede und Antwort in Beuel:
Günter Wallraff. (Foto: Lea Böttger)

„Schwarz auf Weiß“ - Günter Wallraff als Somalier Kwami Ogono in Beuel.
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Das Finish mit der Sprühpistole verwandelt den Kölner Journalisten Günter Wallraff in den Somalier Kwami Ogono - dunkle Haut und krauses Haar. Für manchen Zeitgenossen Gründe genug für Beleidigungen, Abweisung, Ausgrenzung, Lügenmärchen und schlichtweg dämliches Verhalten. Als etwas Anderes lässt sich der Kommentar „Sarotti-Mohr“ beim Anblick eines Schwarzen nicht bezeichnen. Die kontrovers diskutierte Dokumentation „Schwarz auf Weiß“ zeigt die mit versteckter Kamera aufgenommenen Begegnungen in Deutschland. Wallraffs Selbstversuch macht erschreckend deutlich, wie es teilweise in Deutschland um Gleichheit und Toleranz oder simpel um Menschenverstand steht.

Die lange Schlange vor der Neuen Filmbühne und die Tatsache, dass nur Vorbesteller einen Platz ergatterten, dokumentieren das Interesse an der Thematik und an den Erlebnissen von Wallraff alias Ogono. Diese reichen von aggressiven Rempeleien hinter plumper Ideologie in einem Fanzug nach Dresden bis zu nicht offen ausgesprochenem, dafür aber umso wirkungsvollerem Rassismus in Amtsstuben, bei der Wohnungssuche und dem Hundeausbildungsverein.

Oft folgt eine weiße „Vergleichsgruppe“ auf Kwami Ogono: Der eine oder andere vertraut ihr seine Bedenken bezüglich „der anderen Kultur“ und „ganz anderen Mentalität“ an. Auch positive Erlebnisse brachte die verdeckte Recherche ein, allerdings machen diese den kleinsten Teil des Films aus. Es macht wütend und erschüttert, wie sehr allein die Hautfarbe das alltägliche Leben vieler Mitmenschen prägt.

An die Filmvorführung schloss sich eine bestens frequentierte Diskussionsrunde im Beueler Rathaus an, in der Günter Wallraff zur Zivilcourage aufforderte und aus seinem Buch „Aus der schönen neuen Welt-Expeditionen ins Landesinnere“ las.

Der Film und Wallraffs Selbstversuch werden durchaus kritisch betrachtet. Einer fragt, nach welchem Prinzip er die besuchten Orte ausgewählt habe. Merkt an, dass er doch nicht 100-prozentig afrikanisch ausgesehen habe und sich mehr hätte zurückhalten können, um keine Reaktionen zu provozieren. Diese Einwände scheinen angesichts des Filmes banal. Womit soll ein 100-prozentiger Afrikaner rechnen, wenn schon ein Scheinafrikaner derart diskriminiert wird? Und natürlich habe er auch provozieren wollen, erläutert Wallraff. Man kann sich denken warum. Es geht nicht um eine wissenschaftliche Studie, sondern um Sensibilisierung. Und laut Wallraff gibt es „durch das erkennende Lachen ja auch manchmal Erkenntnisse“.

Die Betroffenen selbst melden sich auch zu Wort. Ausgrenzung und Diskriminierung betreffen natürlich nicht nur Schwarze, sondern auch etliche andere Gruppen. Vertreter von Anti-Rassismus-Organisationen, so berichtet Wallraff, kritisierten, dass er nicht das Recht habe, für schwarze Bürger zu sprechen, und stellten die Frage, warum er keine Betroffenen zu Wort kommen lasse. Doch der Journalist sieht sich nicht als Sprecher oder Repräsentant der Schwarzen. Abgesehen davon wollte Wallraff niemanden, der nicht er selbst ist, den Risiken einer solchen Deutschlandreise aussetzen.

Günter Wallraff hat sich auch im reifen Alter von 68 noch nicht von seiner Spezialität, der Rollenreportage, verabschiedet und wird uns wohl noch den einen oder anderen Augenöffner oder Aha-Effekt liefern. Dafür kann man ihm nur Hochachtung aussprechen.

Das Buch: Günter Wallraff: Aus der schönen neuen Welt-Expeditionen ins Landesinnere. Kiepenheuer und Witsch, 2009, 13,95 Euro.

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