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Kulturarbeit, Sonstiges – 27. November 2011 – Thomas Glahn
THEMA

Kreativität als erneuerbare soziale Energie

Beim Workshop in der Brunnenpassage: Ipek Ipekcioglu (aka DJ Ipek) und Elif Isik (aka DJ Ana Tolia). (Foto: Brunnenpassage)

Louise Schroeder Schule und Die Schlumper. (Foto: Johannes Seebass)

Hustadt Filmpavillon. (Foto: Apolonija Šušterši?)

überGehen - Lebensgrenzen, Todesbilder und Abschiedskultur. Das Foto zeigt den Schauspieler Matthias Heße. (Foto: Nielinger)

"Gefängnis - Kunst- Gesellschaft - Plus!": Hinter Gittern. (Foto: Jarek Raczek)

Fensterkonzert, Duisburg. (Foto: 2-3 STRASSEN)

Die Preisträger mit Stifter Carl Richard Montag. (Foto: Lutz Kampert)

"faktor kunst": Die Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft hat sechs Kunstprojekte in Deutschland und Österreich ausgezeichnet, die durch gesellschaftliches Engagement Neuland betreten.
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Allen Projekten gemeinsam ist die Zielrichtung: Sie betreten Neuland und beziehen möglichst viele Menschen ein. Nachfolgend einige Informationen zu den Projekten, die von der Montag Stiftung ausgezeichnet wurden:

Die Clubszene feiert ihre DJs wie Popstars. Die Kunst am Turntable, an Mischpult und Computer gehört zur Jungendkultur und ist männlich. Das könnte sich ändern. Zu den wenigen Frauen, die ganz oben mitmischen gehören DJ IPEK (Berlin) und Sweet Susie (Wien). Die beiden Künstlerinnen gaben ihr Wissen an die DJn-Klasse für junge Frauen des DJn-Kollektivs Brunnhilde im KunstSozialRaum Brunnenpassage der Caritas Wien weiter.

Hier lernen Frauen unterschiedlicher Nationalitäten Basistechniken des DJing. Sie produzieren ihre eigene Musik, können ihren eigenen Stil entwickeln, sind in ein Auftrittsnetzwerk eingebunden und geben das Erlernte in Workshops an neue Talente weiter. An den Turntables brechen insbesondere die muslimischen Frauen mit einem männlichen Rollenklischee. Ein unterstützenswertes Modellprojekt, befand die Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft.

Die Schlumper sind eine Ateliergemeinschaft von Künstlerinnen und Künstlern mit Behinderung in Hamburg. Etwa 400 Kinder der nahegelegenen, integrativen Ganztagsgrundschule Louise Schroeder gehen bei ihnen ein und aus, arbeiten intensiv mit ihnen zusammen. Freiwillig und jenseits schulischer Anforderungen nehmen die Kinder an Prozessen der freien Kunst teil. Hier werden Menschen mit Behinderungen zu Meistern – ein Perspektivwechsel. Die ungewöhnliche, befruchtende Partnerschaft ist ein hervorragendes Beispiel für gelebte Inklusion.

Auch das Projekt der Künstlerin und Architektin Apolonija Šušterši? und der Kuratorin Katrin Mundt erhielt eine Auszeichnung. Es ist im Stadtquartier Hustadt in Bochum angesiedelt, dem Wohnort von Menschen aus 56 Nationen, in unmittelbarer Nachbarschaft zur Universität. Gemeinsam mit den Bewohnern soll in einem demokratischen Prozess der Hustadt Filmpavillon entstehen.

Mitten auf einem freien Platz zwischen den Hochhäusern, in einer offenen, die Kommunikation fördernden Architektur. Geplant ist ein selbstverwaltetes, nicht kommerzielles Kino mit einem vielsprachigen Filmprogramm, das die Wünsche und Bedürfnisse der hier lebenden Menschen aufnimmt und sie über kulturelle Grenzen hinweg miteinander ins Gespräch bringt. Unterstützt werden die Projektinitiatorinnen vom UmQ Verein für Begegnungs- und Straßenkultur.

In den Medien ist der Tod allgegenwärtig, aber im Alltag ist Sterben ein Tabuthema. Das Schlosstheater Moers greift es mit seiner Projektreihe überGehen – Lebensgrenzen, Todesbilder und Abschiedskultur auf. Die freie Regisseurin Barbara Wachendorff führt seit Monaten Gespräche mit schwer kranken Kindern und Jugendlichen, unterstützt von Angehörigen, in Kooperation mit Kliniken, Hospizeinrichtungen und TrauerbegleiterInnen. „Von diesen Kindern können wir viel über das Leben lernen. Das ist ein wichtiger Impuls dieses Projekts“, sagt sie.

Aus Interview-Texten entwickelt die Projektleiterin gemeinsam mit Schauspielern des Schlosstheaters Moers eine Theateraufführung. Kranke oder von schwerer Krankheit genesene Kinder und Jugendliche werden mit ihnen gemeinsam auf der Bühne stehen oder medial einbezogen. Das Projekt arbeitet an der Grenze zwischen Theater und sozialer Wirklichkeit, seine künstlerische Konzeption vermeidet Naturalismus. In Kooperation mit Schulen finden Mal- und Schreibwerkstätten statt. Die entstehenden Texte werden als Hörbuch eingesprochen, dazu gibt es eine Ausstellung, Diskussionen und Lesungen.

In Berlin arbeitet ein interdisziplinäres Team hinter Gittern. Gefängnis - Kunst - Gesellschaft - Plus! heißt die Initiative, an der Schauspieler, Musikpädagogen, Psychologen, Pädagogen, Regisseuren, Kameraleute und Tanztrainer beteiligt sind.

Jugendliche und Frauen in Haftanstalten schreiben Texte, stehen auf der Bühne, arbeiten mit der Kamera. „Ich habe immer noch ein Blatt Papier und einen Stift. Das ist meine Freiheit”, sagt eine der Frauen während der Projektarbeit zum Thema Freiheit.

Im Rhythmus von neun Monaten gibt es Präsentationen vor Publikum - innerhalb und außerhalb der Haftanstalten. Im kommenden Jahr soll eine „Draußen-Werkstatt“ für Menschen im offenen Vollzug und aus der Haft entlassene hinzukommen. Träger ist der Berliner Verein „minor – Projektkontor für Bildung und Forschung e.V.“. Die Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft wird dieses Projekt über die Auszeichnung hinaus fördernd begleiten.

78 Menschen aus aller Welt bezogen 2010 mietfrei Wohnungen in Dortmund, Duisburg und Mülheim an der Ruhr. Ein Jahr lang waren sie Teilnehmer des Projekts 2-3 STRASSEN – eine Ausstellung in Städten des Ruhrgebiets von Jochen Gerz.

Das Thema: Veränderung - in den Straßen, für und mit den neuen und alten Bewohnern. Gemeinsam startete und realisierte man Initiativen, öffnete Türen, wurde Gastgeber für Nachbarn, Passanten und Ausstellungsbesucher.

Gemeinsam haben sie ein Buch verfasst: 887 Autoren, 3000 Seiten über den Alltag, über das Leben. „Das Buch ist Text, ist soziale Skulptur, ist Kunst als Beitrag von allen. Wer täglich schreibt, verändert sich. Menschen, die sich verändern, verändern die Welt“, heißt es auf der Website zum Buch.

Für Jochen Gerz ist Kreativität kein Künstlerprivileg, sondern erneuerbare soziale Energie. Die Ausstellung ist zu Ende, doch etwa die Hälfte der Teilnehmer kehrte 2011 nicht in ihre alten Heimatstädte zurück. Das Projekt erhielt eine Sonderauszeichnung.

Montag Stiftung Bildende Kunst und Gesellschaft

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