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Kulturarbeit – 01. April 2010 – K. Schmoller

Kölner Stahlträger fürs Festspielhaus?

Große Suchaktion in der Bonner U-Bahn. Streit um das geplante Konzerthaus eskaliert. Nur per Bahn erreichbar? Kritik an Masur-Äußerung.
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Der Skandal um entwendete Stahlträger beim Bau der Kölner U-Bahn führt nun auch nach Bonn. Mit einer groß angelegten Suchaktion in der Bonner U-Bahn vergangene Nacht haben die Ermittlungsbehörden auf Hinweise reagiert, wonach ein Großteil der ursprünglich für Köln vorgesehenen Bauteile in Nebenstollen zwischen den Stationen "Hauptbahnhof" und "Juridicum" gelagert sein soll.

Auf Nachfrage erklärte ein Sprecher der Bonner Stadtverwaltung, es handele sich um "mehr als nur einen vagen Verdacht". Es sei denkbar, dass ein Großteil der in Köln entwendeten Stahlträger für das geplante Festspielhaus Beethoven "auf Vorrat" abgezweigt worden sei. Ermittlungen in der Domstadt hatten ergeben, dass rund 86 Prozent der laut Planung vorgesehenen Verstärkungen nicht verbaut worden waren.

Spekulationen, wonach das Festspielhaus vollkommen unterirdisch gebaut werde, wollte die Stadtverwaltung mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht kommentieren. Eine solche Lösung mache aber die Einrichtung einer weiteren Haltestelle notwendig. Schließlich sei das Festspielhaus dann nur per U-Bahn erreichbar und es verbiete sich, einfach auf eine vorhandene Haltestelle "draufzusatteln".


"Kein Salzburg am Rhein"

Aus historischer Sicht mache eine reine U-Bahn-Anbindung durchaus Sinn, so der Verwaltungsfachmann. Schließlich würde Bonn mit Festspielhaus mittelfristig "kein Salzburg am Rhein", wie mancher Befürworter hofft. Salzburg sei de facto ein Freilichtmuseum für Mozart. In der Bundesstadt hingegen gäbe es gerade mal zwei Orte, die für Beethovens Biografie entscheidend gewesen seien: sein Geburtshaus, wo er das Licht der Welt erblickte, und der örtliche Bahnhof, wo er sich kurz darauf verabschiedet habe. So gesehen sei ein Festspielhaus in südlicher Richtung vom Hauptbahnhof gelegen eine schlüssige Lösung.

Derweil ist der Streit um das Festspielhaus in eine neue Phase getreten. Unterstützung für den Bau kam gestern ausgerechnet vom Bundesverband der Erzieherinnen und Erzieher, Sektion Bonn. Dort hieß es, man unterstütze das Projekt vorbehaltlos und wolle dafür auch gerne selbst aktiv werden.

Angedacht seien weitere Einschränkungen beim Fachpersonal, mehr weiche Plastikspielzeuge und das Projekt "Mehr Kind je Platz": Neueste Untersuchungen hätten gezeigt, dass Kinder in Kindergärten mit deutlich weniger Raum auskämen als gedacht. So sei eine Auslastung von einem viertel Quadratmeter je Kind völlig ausreichend. "Rein rechnerisch ergibt sich daraus ein Schlüssel von vier Kindern je Quadratmeter", erklärte Verbandssprecherin Vera Peitsch.

Zudem sei man in Diskussion mit dem Verein der Bade- und Saunameister Bonn/Rhein-Sieg e. V., um auch diese Beschäftigungsgruppe für das Festspielhaus zu gewinnen. Aus dessen Reihen waren zuletzt, angesichts der drohenden Schließung von Bonner Bädern, Unmutsäußerungen laut geworden. Es zeichne sich jedoch eine gemeinsame positive Haltung zugunsten des Konzerthauses ab, so Peitsch.


"Verbale Trittbrettfahrerei" inakzeptabel

Für weiteren Wirbel hat indes eine Äußerung von Meisterdirigent Kurt Masur gesorgt. Der Vorstandsvorsitzende des Vereins Beethoven-Haus hatte gegenüber dem General-Anzeiger erklärt, "die Menschen in Bonn - jung und alt - werden ein Leben in Glanz und Schönheit bekommen", wenn das Festspielhaus gebaut werde.

Die CDU-Fraktion im Bonner Rat hat darauf mit Empörung reagiert. Allein die Wortwahl des Maestros sei verräterisch: Nur Altbundeskanzler Helmut Kohl stehe es zu, perspektivisch und visionär sich in einer derartigen Form zu äußern. Masurs Einlassung erinnere "fatal" an Kohls Wort von den blühenden Landschaften in der ehemaligen DDR, so ein Ratsmitglied, das nicht namentlich genannt werden möchte. Diese "verbale Trittbrettfahrerei" sei nicht akzeptabel.

Auch die übrigen Ratsfraktionen gaben sich verstimmt. "Beethoven war auch einer von uns", hieß es dazu aus Reihen der SPD. In der FDP ist die Verwunderung groß: "Beim Festspielhaus und speziell bei den Beethoven-Freunden handelt es sich um reine Partikularinteressen", erklärte ein Sprecher.

Die Grünen forderten Masur auf, nach der Beethovenhalle endlich auch einmal die Deckenhöhe in Bonner Kitas zu inspizieren. Und der Bürgerbund sprach sich für ein Bürgervotum zur Haltestelle "Festspielhaus Beethoven-Süd" aus.


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