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Kulturarbeit, Musik – 01. April 2014 – Gaudula Gunse

Die dicken Kinder von Bonn

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Einen noch, für das Festspielhaus. (Bild: Angela Mühler/pixelio.de)

Futtern fürs Festspielhaus: Der Verkauf des Schokoladen-Beethoventalers sichert die Finanzierung eines Neubaus neben der Beethovenhalle. Rund 78 Mio Stück spülen 25 Mio Euro in die Kasse. Bedenken im Gesundheitsamt, grünes Licht von der Diabetiker-Liga.
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Eine Finanzierungslücke beim Beethoven-Festspielhaus ist geschlossen. Wie die Beethoventaler Genossenschaft mitteilt, konnte sie insgesamt 77.937.948 Exemplare des beliebten Schokoladen-Beethoventalers verkaufen und somit die ausstehenden 25 Mio Euro beisteuern.

Damit steht dem Neubau eines Konzertsaals in unmittelbarer Nachbarschaft der Beethovenhalle nur noch das bislang fehlende Ja der Stadt Bonn entgegen, die sich „angemessen“ am Betrieb des Festspielhauses beteiligen muss, damit die Stiftungsgelder von Bund und Land fließen können. Auch die Initiative „Grießl & Friends“ scheint obsolet.

Die überraschende Meldung vom Erfolg des Schoko-Naschwerks kam am Dienstagmorgen. „Wir haben die Meldung bewusst ein paar Tage zurückgehalten, um nicht mit den Feierlichkeiten zur Einweihung der neuen Beethoven-Statue von Markus Lüpertz im Stadtgarten zu kollidieren“, erklärte ein Sprecher der Genossenschaft.

Demnach wurde bereits am Freitag vergangener Woche der entscheidende Taler verkauft. „Bei einem Verkaufspreis von 1,79 Euro, angelehnt an das Jahr 1792, in dem Beethoven Bonn in Richtung Wien verließ, gingen von jedem verkauften Schokostück 32 Cent an das Festspielhaus“, so der Sprecher weiter. „Bei fast 78 Mio verkauften Stück hat – rein rechnerisch – jeder Bundesbürger 0,96 Taler für Bonn verspeist.“


Teufelskreis mit Beethoven-Taler

Dass sich der tatsächliche Konsum der schmucken Kalorien-Bomben eher auf das Stadtgebiet Bonn konzentriert hat, legt eine aktuelle Erhebung des Gesundheitsamtes nahe. Demnach förderte der seit Anfang des Jahres gesetzlich vorgeschriebene Gesundheits-Check unter Grundschulkindern zutage, dass die Bonner Kinder im Bundesvergleich deutlich dicker geworden sind.

„Für uns ist vor allem die sprunghafte Gewichtzunahme seit Herbst evident“, erklärt Margot Kannengießer. Die Gesundheitsexpertin sieht einen klaren Zusammenhang: Der Verzehr des Beethoventalers, der bekanntlich auf dem Bonner Weihnachtsmarkt erstmals angeboten wurde, habe den Bauchumfang der meisten Kinder im Stadtgebiet signifikant vergrößert.

„Da tickt eine Zeitbombe“, warnt Kannengießer, „denn aus dem Teufelskreis von TV-Konsum, Smartphone und Beethoventaler kommen die allermeisten dieser Altersgruppe nicht selbstständig heraus. Da wird eher mal das Handy auf stumm gestellt, als ein Schoko-Beethoven ausgelassen.“


GDL sieht Gefahr von Hörschäden

Deutlich entspannter fiel hingegen das Urteil der Deutschen Diabetiker-Liga (German Diabetes League – GDL) aus. Auf Nachfrage hieß es aus der Geschäftsstelle in der Argelanderstraße nur, bis zur Entwicklung eines Typ-2-Diabetes bräuchte es vier Beethoven-Taler stündlich über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten. Und selbst dann müssten die Betroffenen nicht automatisch lebenslang Insulin spritzen.

„Viel wichtiger wäre es nach unserer Einschätzung, darauf zu achten, dass gerade die Jüngsten durch ein Konzerthaus in der Innenstadt nicht ständig und in der Summe zuviel auf die Ohren kriegen“, so ein GDL-Sprecher lapidar. Beethoven selbst sei das prominenteste Beispiel für die Irreversibilität von Schädigungen des Hörorgans.

Verhaltene Freude ob der neuen Entwicklung herrscht auch bei den Bonner Ratsfraktionen. Zwar wollte sich unmittelbar nach der Erfolgsmeldung niemand direkt äußern. Aber hinter vorgehaltener Hand erklärten Vertreterinnen aller Fraktionen, nun könne es endlich mit den Planungen weitergehen. Schließlich sei man es leid, sich außerhalb des Stadthauses dauernd rechtfertigen zu müssen, warum Bäder geschlossen und OGS-Beiträge erhöht würden, im Gegenzug aber ein städtisch mitfinanziertes Festspielhaus auch nur erwogen werde. Außerdem sei „die Sache mit den Bädern“ angesichts der Gewichtzunahme der Kinder bei Beckentiefen jenseits von 1,60 Meter sowieso eher zu begrüßen.


Beethoven versus Goldbär

Spontane Kritik an der aktuellen Entwicklung kam von Seiten eines in Bonn ansässigen Familienunternehmens aus der Süßwarensparte. Dass ausgerechnet ein Schokotaler städtische Weichenstellungen für die Zukunft einleiten könne, wurde hier mit leichtem Schmunzeln und Achselzucken zur Kenntnis genommen.

„Klar, musikalisch ist Beethoven echt fett. Aber das ewige Gerede vom ‚bekanntesten Sohn Bonns‘ ist aus unserer Sicht kaum mehr zu ertragen“, erklärte Unternehmenssprecher Harry Boar.

Weltweit noch bekannter als der sicherlich verdienstvolle Komponist sei aber – der Goldbär aus eigener Produktion. Und: „Wenn wir ein eigenes Goldbär-Konzerthaus nach internationalen Maßstäben hätten haben wollen, hätten wir es längst gebaut. Ohne Benefiz-Taler und ohne dicke Kinder.“
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