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Kulturarbeit – 01. April 2011 – Von unserer Ratsredaktion

Bonner Bürgerbefragung wird wiederholt

Schräges Rednerpult auf schrägem Bahnsteig: OB Nimptsch eröffnet die Haltestelle Ollenhauerstraße.

Feierlicher Schnitt, jedoch ...

... wohin mit dem Fetzen?

Erwartungsfrohe Blicke, dann verschämte Ignoranz: Die Bonner Ratsmitglieder warten auf die Bahn zum Stadthaus ...

... doch die fährt vom gegenüberliegenden Gleis.

Das neue Bonner Loch.

Standen die Ergebnisse bereits vorher fest? OB Nimptsch ordnet Moratorium an – und weiht das "neue Bonner Loch" ein. Ein Ratsmitglied: "Was nicht passt, wird passend gemacht."
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Paukenschlag bei der Bürgerbefragung zu Sparvorschlägen im städtischen Haushalt: Das Verfahren, bei dem sich im Internet unter dem Titel Bonn packt's an tausende Menschen beteiligt hatten, muss wiederholt werden. Grund sind nach gleichlautenden Aussagen verschiedener Bonner Ratsmitglieder "nicht zusammengehende" Antworten und Vorschläge.

Als möglicher neuer Termin der Befragung wurde die Zeit vom 25. Juli bis 6. September 2011 genannt. Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch (SPD) war zu einer Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Aus seinem Umfeld hieß es jedoch, der OB sei "not amused". Um möglichen Spekulationen aus dem Weg zu gehen, habe er daher ein persönliches Moratorium für alle Sparvorschläge angeordnet.


Erste Ergebnisse öffentlich

Auf Nachfragen von Kultur-in-Bonn.de wurden nun erste Ergebnisse der Umfrage bekannt. So haben mit 72 Prozent vor allem ledige Frauen aus der Altersgruppe der 49- bis 64-Jährigen für den Erhalt der Rheinkultur gestimmt, wenn im Gegenzug der OB künftig auf seinen Dienstwagen verzichtet.

Hingegen sprachen sich 57 Prozent der heterosexuellen Professorenpaare ohne Haustier für eine Abschaffung der Opernhäuser in Bonn und Köln (!) aus, wenn Nimptsch künftig auf den Chauffeur verzichtet und sein Dienstgefährt selbst steuert. Von den 32- bis 39-jährigen Studenten unterstützen 54 Prozent diesen Vorschlag, wenn Nimptsch stattdessen mit seinem Wagen einen Shuttle-Service zwischen Stadthaus und Rathaus einrichtet.

Apropos Festspielhaus: Auch hier förderte die Befragung diskussionswürdige Vorschläge zutage. 38 Prozent aller ledigen Beueler, die keinen Biergarten ihr Eigen nennen, befürworten den Bau von gleich drei Festspielhäusern – entsprechend der Anzahl der Sponsoren. Diese Lösung hätte überdies den charmanten Vorteil, dass die architektonische Lücke zwischen Beethovenhalle und Opernhaus geschlossen werden könnte. Die in diesem Bereich vorhandenen Wohneinheiten am Rheinufer werden von den Befragten zu 95 Prozent ohnehin dem sozialen Wohnungsbau zugerechnet und damit als Provisorium gehandelt.

Eine Mehrzahl von 53 Prozent der nicht in Bonn wohnenden Bonnerinnen sprach sich für die Bündelung von Kapazitäten aus. So könnten nicht nur kleinere Bühnen wie Contra-Kreis-Theater, Theater im Keller oder Euro-Theater in einem neuen Festspielhaus untergebracht werden. Auch das Stadthaus solle dort einen festen Platz bekommen. Dies würde, auch nach Meinung von immerhin 42 Prozent der verheirateten Eltern mit Kita-Platz in mehr als sieben Kilometern Entfernung, für kürzere Wege bei der Versorgung mit Freikarten führen.

Die Vorschläge der Bürger haben offenbar auch Jürgen Nimptsch zum Umdenken gebracht. "Die Sparvorschläge sind, als Willensäußerung betrachtet, eine demoskopische Katastrophe von bisher nicht für möglich gehaltenem Ausmaß", zitierte sein Sprecher aus einer Mitteilung des Oberbürgermeisters. "Für mich ist dies jetzt die Zeit zum Innehalten und Nachdenken."

Aus Reihen von CDU, FDP und Grünen hagelte es daraufhin erneut Kritik am Führungsstil des OB. "Dieses Hände-in-den-Schoß-legen ist mal wieder typisch", ereiferte sich ein CDU-Ratsmitglied hinter vorgehaltener Hand. "Da muss man als Führungsspieler eben auch mal Farbe bekennen und sagen: 'Was nicht passt, wird passend gemacht.'"


Erste schräge Haltestelle Bonns

Wie sehr die Ergebnisse offenbar am Nervenkostüm des Oberbürgermeisters nagen, machte die Einweihung der neuen U-Bahn-Haltestelle Ollenhauerstraße zu Wochenbeginn deutlich. Nimptsch gab, ohne es zu merken, mit einer launigen Rede ("Vorsicht an der Bahnsteigkante!") dem ersten schrägen Bahnsteig in der Geschichte Bonns seinen Segen. Selbst die außergewöhnliche Schieflage seines Rednerpults machte ihn nicht stutzig.

Zwar bemerkten einige der versammelten Bonner Ratsmitglieder den baulichen Fauxpas, jedoch warteten sie vergeblich auf Warnhinweise für Rollstuhlfahrer oder Rollatoren. Erst als Nimptsch mit Blick auf das fertiggestellte U-Bahn-Loch triumphierend vom "neuen Bonner Loch" sprach, war dies für einige seiner Politiker-Kollegen zu viel. Kopfschüttelnd verließen sie vorzeitig den schmucken Bahnsteig – um sich von den wartenden Schülern des Friedrich-Ebert-Gymnasiums noch mit dem Spruch "Ihr seid doch die von der Umfrage!" und dem Sprechchor "Angepackt heißt reingepackt!" verhöhnen lassen zu müssen.

Hinter den Kulissen des Stadthauses tobt seither der Kampf um die Meinungsführerschaft. Gerüchten, wonach die Ergebnisse der Bürgerbefragung schon vorab festgestanden haben sollen, wird vonseiten der Verwaltung mit Hinweisen auf den Datenschutz und das Urheberrecht gekontert.

Wohl aber scheint festzustehen, dass das Verfahren einer umfassenden Überprüfung unterzogen wird. "Dabei wird es keine Tabus geben, alles wird angesprochen werden", erklärte der Sprecher des OB. Zur möglichen Umformulierung einzelner Sparvorschläge sagte er: "Die Vorschläge nach dem Moratorium werden andere sein als vor dem Moratorium."

Als möglichem Titel einer erneuten Befragung werden inzwischen "Bonn packt rein" die größten Chancen eingeräumt.

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