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Kulturarbeit, Musik – 17. Juni 2015 – Klaus Torsy
KOMMENTAR

Auf das rechte Maß gestutzt

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Nach dem Ausstieg der Post aus dem Festspielhaus-Projekt ist der Katzenjammer allseits groß. Aber worüber eigentlich? Bonn hat das bekommen, was es verdient.
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Natürlich ist es nun eine Leichtes, die Bonner Verwaltung und Politik an den Pranger zu stellen. Jahrelanges Hinhalten, Taktieren, Streiten mal ums Detail, mal ums große Ganze, dann wieder Verzögern. Ob Oberbürgermeister, Verwaltung oder Rat – wer von den Befürwortern im Stadthaus kann sich von Verantwortung dafür freisprechen, dass das Projekt Beethoven Festspielhaus gescheitert ist. Ausgerechnet jetzt, unmittelbar vor der politischen Mehrheit zur Gründung der Betriebsstiftung.

Das Scheitern der Entscheidungsträger kann jedoch nicht wirklich verwundern. Wer angesichts wegbrechender Einnahmen (z. B. Gewerbesteuer) und monströser Ausgaben (z. B. vom Bund auf die Kommune durchgereichte Kosten, WCCB-Desaster) in jedem Jahr kurz vor dem Nothaushalt steht, hat keinen Spielraum. Ein Großprojekt wie das Festspielhaus musste für die Stadt über Jahre genauestens kalkulierbar sein, und seien es „nur“ die Mittel für Grundstück, Baureifmachung oder Betriebskostenzuschuss.

Aber die Bonner mögen sich trösten: Dies ist nicht der alleinige Grund. Hinzu kommt ein grundsätzliches Problem, das die allermeisten Kommunen in Deutschland teilen: die Organisation von Kommunalpolitik. Wer jemals eine Sitzung z. B. des Bonner Kulturausschusses von der Besuchertribüne aus miterleben durfte, weiß: Das grenzt an Körperverletzung. Des Gastes, wohlgemerkt. Was und wie dort geredet, schwadroniert, gedarstellert wird, bewegt sich zwischen Karneval und Bundestag. Sie spielen Parlament. Keiner gönnt dem anderen sein Förmchen, jeder hat recht und vor allem: es immer schon gewusst. In dieser Form ist verantwortungsvolle Politik die Ausnahme.

All das ist die eine Seite der Medaille. Das Festspielhaus ist andererseits auch daran gescheitert, dass die Bürgerinitiativen es nicht geschafft haben, die Rentabilität des Projektes nachzuweisen. Zumal mit der Hamburger Elbphilharmonie oder der Berliner Staatsoper prominente Geldvernichtungsprojekte leuchten. Aber auch das kann nicht verwundern: Sitzen doch an den entscheidenden Stellen der Bonner Initiativen oft solche Menschen, die bisweilen selbst jenem Politikstil gefrönt haben (oder es aktuell tun), den es für die Kommunalpolitik anzuprangern gilt.

Wer dann einen Businessplan auf so wackeligen Füßen präsentiert, braucht sich nicht zu wundern, wenn nachgehakt wird. Und wer, nachdem das Zahlenwerk stichhaltig infrage gestellt wurde, ohne Weiteres erklärt, die Risiken ließen sich beherrschen, der darf sich nicht wundern, wenn mancher die Seriosität des ganzen Projektes anzweifelt.

Womit wir bei der Deutschen Post DHL Group sind. Der Konzern trägt eine Verantwortung – nicht gegenüber Beethoven, einer nationalen Aufgabe oder gar den Bonnern. Sondern allein gegenüber seinen Eigentümern, die Rendite erwarten.

Nicht umsonst haben die Verantwortlichen des Unternehmens genau jetzt das Handtuch geworfen: zwischen der Veröffentlichung des Gutachtens zum Businessplan (Montag) und den Sitzungen der politischen Gremien (Mittwoch und Donnerstag). Wie sollte die Unternehmensspitze intern glaubhaft machen, dass sich ein 30-Millionen-Euro-Einsatz mit diesen Beteiligten rentiert? Wie sehr die Rendite-Erwartungen die Konzernaktivitäten bestimmen, zeigt im Übrigen der aktuelle Streit mit Verdi.

Die Post schlägt daher den risikoärmeren Weg ein und will nun mit dem Bonner Beethoven-Haus und dem Beethovenfest den 250. Geburtstag des Komponisten angehen. Solche Engagements sind für das Unternehmen deutlich überschaubarer.

Und Bonn? Versinkt jetzt in einer Erdspalte? Nein, die Stadt ist einfach auf das Maß gestutzt, das ihr entspricht. Befreit von einem zweifelhaften Prestigeprojekt und dem Leuchtturmdenken des Marketings.

Den Bonnern in Politik und Vereinsvorständen bleibt: das Jammern, das Schuldzuweisen, das (Nach-)Rechnen, die Kommunalpolitik, die Freude auf die heiße Phase des OB-Wahlkampfes.

Den Bonner Bürgerinnen und Bürgern bleibt, die Dinge anzusprechen und einzufordern, die vor einem Festspielhaus kommen: die Kitas, die Schulgelder, die Bäder, die Bibliotheken, den öffentlichen Nahverkehr, die freie und die dezentrale Kultur. Für ein Beethoven-Jubiläum an vielen Orten in Bonn.


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