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Kino – 13. November 2013 – Michael Hermann
KRITIK

Rettung vom Rettungsboot

Piraten in Lauerstellung: Bilal (Barkhad Abdirahman, vorne links) und Muse (Barkhad Abdi, stehend). (Bild: © 2013 Sony Pictures Releasing GmbH)

So läuft es ab: Die Piraten bringen die Enterleitern in Stellung, das Schiff wehrt sich mit Wasserwerfern. (Bild: © 2013 Sony Pictures Releasing GmbH)

Die vier Somalis durchsuchen die „Maersk Alabama“ unter Führung von Muse (Barkhad Abdi). (Bild: © 2013 Sony Pictures Releasing GmbH)

Die Piraten haben die Kommandobrücke eingenommen. Captain Phillips (Tom Hanks) versucht, mit ihnen zu verhandeln. (Bild: © 2013 Sony Pictures Releasing GmbH)

Auf den Schiffsführer kommt es jetzt an: Richard Phillips (Tom Hanks). (Bild: © 2013 Sony Pictures Releasing GmbH)

Captain Phillips (Tom Hanks) will Zeit gewinnen und Muse (Barkhad Abdi) und seine Piraten vom Versteck seiner Besatzung fernhalten. (Bild: © 2013 Sony Pictures Releasing GmbH)

Die Piraten Elmi (Mahat Ali, vorne) und Najee (Faysal Ahmed) wollen ein Tauschgeschäft mit Captain Phillips (Tom Hanks) machen. (Bild: © 2013 Sony Pictures Releasing GmbH)

Ein Lebenszeichen des entführten Kapitäns (Tom Hanks) der „Maersk Alabama“, den Piraten auf das Rettungsboot verschleppt haben. (Bild: © 2013 Sony Pictures Releasing GmbH)

Vorbereitung des Rettungseinsatzes: Navy-Spezialkräfte beobachten das Rettungsboot, in dem Captain Phillips festgehalten wird. (Bild: © 2013 Sony Pictures Releasing GmbH)

Verhandlungen auf hoher See: Armee gegen Piraten. (Bild: © 2013 Sony Pictures Releasing GmbH)

Captain Phillips (Tom Hanks) ist sich des Ernstes der Lage bewusst. (Bild: © 2013 Sony Pictures Releasing GmbH)

Kapitän Richard Phillips (links) mit Regisseur Paul Greengrass während der Dreharbeiten. (Bild: © 2013 Sony Pictures Releasing GmbH)

Auch als Schiffsführer erledigt Tom Hanks präzise und souverän seine Schauspielarbeit. Regisseur Paul Greengrass komprimiert die Geschichte von Überfall und Entführung auf hoher See allerdings auf einen reinen Actionthriller. Damit wird „Captain Phillips“ dem Thema Piraterie vor Somalia nicht gerecht.
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Cargo statt Argo: Captain Phillips schildert minutiös den Überfall somalischer Piraten auf einen US-amerikanischen Frachter im April 2009, an dessen Ende der titelgebende Kapitän (Tom Hanks) von den Somalis als Geisel mit auf das Rettungsboot genommen wird. Wie in Paul Greengrass‘ Filmen (Bourne Verschwörung, Bourne Ultimatum) üblich, ist die Kamera viel in Bewegung. So entsteht ein  packender und intensiver Bildersog, wenn die vier Piraten sich nach mehreren missglückten Anläufen schließlich Zugang zum Schiff verschaffen und den Frachter mit seiner zum größten Teil versteckten Besatzung von 20 Mann in ihre Gewalt bringen. Währenddessen versucht Phillips, sie mit allerlei Tricks und Ablenkungsmanövern im wahrsten Sinne des Wortes hinters Licht zu führen und seine Mannschaft zu schützen.

Der zweite Teil des Films rekonstruiert mit einem an Zero Dark Thirty erinnernden Bemühen um Detailgenauigkeit die Anstrengungen zur Rettung des entführten Kapitäns. (NB: Phillips und die Piraten befinden sich nicht in einem offenen Ruderboot, sondern einem geschlossenen und motorisierten, so genannten Freifallrettungsboot. Mit Dank an Wikipedia für die Begriffsklärung.) Und vom Zeitpunkt der Entführung an wird der Film, obwohl er spannend bleibt, zu einem zwiespältigen Hollywood-Vergnügen. Nachdem die US-Army das Boot lokalisiert, mit den Piraten Kontakt aufgenommen und ihre Lösegeldforderung erhalten hat, weiß Phillips, woran er ist: Die Somalis wollen mit ihrer Geisel zurück an Land zu einem Piratenstützpunkt, doch das wird die Armee niemals dulden. „Sie können euch nicht gewinnen lassen!“, ruft der Kapitän seinen Entführern zu. Damit ist eigentlich schon alles gesagt.


Das Militär als Präzisionsmaschine

Also machen die Spezialeinheiten ihren Job, nachdem sie das Boot mit allen Mitteln der Technik für eine Rettungsaktion „vermessen“ haben. Das militärische Vorgehen wird als kühle, professionelle Präzisionsarbeit abgebildet. Die Hintergründe der Piraterie, die vom failed state Somalia ausgeht, werden hingegen nur angetippt. Doch es sind/waren eben nicht nur technisch gut ausgerüstete Kriminelle und Bürgerkriegsmilizen mit oder ohne Verbindungen zu Islamisten, die US-amerikanische und europäische Frachtschiffe überfallen, sondern auch ehemalige Fischer, deren Fischgründe von den Fangflotten anderer (auch europäischer) Länder geplündert wurden, ganz zu schweigen von der Giftmüllverklappung ausländischer Schiffe vor der Küste Somalias. Statt auf Problematisierung liegt der Fokus, wie in Hollywood üblich, auf Personalisierung.

Da Kapitän Richard Phillips ein Buch über seine Erlebnisse geschrieben und auch am Drehbuch mitgewirkt hat, ist davon auszugehen, dass Charaktere und Situationen realistisch wiedergegeben sind – mit einer gewissen fiktionalen Zuspitzung, versteht sich. Man kann sich allerdings des Eindrucks nicht erwehren, dass der Film bei der Darstellung der vier Somalis übers Ziel hinausschießt. Mit Ausnahme ihre Anführers Muse (Barkhad Abdi) erscheinen sie häufig als "Halbwilde", die wie von Sinnen um sich brüllen, wenn sie gerade mal nicht an Drogenpflanzen kauen.

Tom Hanks‘ Kapitän bildet das Zentrum des Films, und an seiner schauspielerischen Leistung gibt es nichts auszusetzen. Die mit zunehmender Eskalation der Situation wachsende Sorge und der Schrecken der unmittelbaren Todesangst sind ihm ins Gesicht geschrieben. Hanks auf hoher See, das passt offenbar: Ein wenig erinnert er hier an seinen verschollenen Frachtflieger aus Cast Away, der mit einem selbst gebauten Floß von der einsamen Insel flieht, auf die es ihn verschlagen hatte. Dafür hätte man ihm seinerzeit ohne weiteres seinen dritten Hauptdarsteller-Oscar geben können. Stattdessen droht nun ein Jahr nach Argo erneut eine politisch-patriotisch grundierte Auszeichnung, dieses Mal für Captain Phillips.


Captain Phillips - Regie: Paul Greengrass, mit: Tom Hanks, Catherine Keener, Barkhad Abdi u. a., USA 2013, 134 Min., FSK 12, Kinostart: 14. November 2013.

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