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Kabarett, Literatur – 25. Oktober 2012 – Klaus Torsy
KRITIK

In der Innenhof-Hölle

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Verschickt seine Sachen an sich selbst, um temporär Wohnraum zu gewinnen: Horst Evers. (Foto: Pantheon)

Twittern ohne Internet fürs Jugendamt und mehr Wohnraum per Post: Horst Evers bereitete einen aberwitzig-komischen „Großen Bahnhof“ im Pantheon.
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Im Innenhof ist die Hölle los. Herr Riechmann twittert – ohne Internet, analog gewissermaßen: Er brüllt seine Kurzmitteilungen durchs offene Fenster, etwa „Boah, hab ich Hunger!“, oder „Jetzt mache ich gerade mal überhaupt nichts!“ Das tut er, weil er das Sorgerecht für seine Kinder (drei von drei Frauen) haben möchte und weil er glaubt, das Jugendamt könnte die Nachbarn wegen seines Lebens und seines Charakters befragen.

Dabei war eigentlich die Deutsche Bahn schuld daran, dass seine Ehe gescheitert ist, genauer gesagt die große Achsenkrise mit Zugausfall: Er auf Geschäftsreise, mit Kollegin spätnachts gestrandet im letzten Hotel im letzten Doppelbett. Alkohol, Abenteuer, Schwangerschaft. Nach dem Rauswurf daheim das Ganze nochmal, im Hotel – mit einer ebenfalls gescheiterten Frau, die er an der Bar trifft. Und nun gibt es all diese „Informationen“ für alle direkt in den Innenhof.

Drinnen, in der eigenen Wohnung, sieht es auch nicht besser aus. Das neue Speisekammerregal, eigentlich eine Speisekammerregalsystemlösung, beansprucht so viel Raum, dass für Lebensmittel und sonstiges Gerümpel kaum mehr Platz bleibt. Also den Rest in den Keller verfrachtet, was übrig blieb, im Treppenhaus gelagert.

Dann begonnen, die Sachen in Kartons mit der Post an sich selbst zu schicken. Damit hat man vier bis fünf Tage Aufschub bzw. mehr Platz zum Leben. Wenn man obendrein nicht zuhause ist, wenn die Post kommt, gewinnt man wegen der Postlagerung sieben weitere Tage, ehe die Pakete an den Absender, also einen selbst, zurückgehen. Gleiches Porto, aber fast drei Wochen mehr Wohnraum!

Als Nächstes versucht, die Sachen auf dem Seeweg zu verschicken, weil sie dann noch länger unterwegs sind. Der wird innerhalb Berlins aber nicht angeboten. Schließlich: Wie wäre es, alles an eine Adresse in Südamerika zu senden. Hin und zurück wäre alles fast ein Jahr unterwegs. Natürlich müsste man sicherstellen, dass auch dort niemand zuhause ist, wenn der Paketdienst klingelt.

Horst Evers denkt sich derlei Geschichten aus. Im Pantheon erzählte und las er nun, wie sich das Leben im Berliner Innenhof und der Welt so anfühlt. „Großer Bahnhof“ heißt das Programm, das im Wesentlichen Anekdoten seines Bestsellers „Für Eile fehlt mir die Zeit“ aufbietet.


Atemlos absurd erklärend

Und Zeit hat Evers tatsächlich nicht, weder in seinen Texten noch auf der Bühne. Er hechelt durch die Geschichten, atemlos, erzählend, erklärend, stammelnd, sich verheddernd und in Details verlierend, ausufernd, dann den großen Zusammenhang suchend, abwinkend, nuschelnd, sich sammelnd, erleichtert, wenn er mal ablesen darf. Schließlich zählt er zur ersten Garde der Vorleser.

Absurd wie seine kurzen Geschichten ist auch sein neuestes Buch, ein Krimi mit dem Titel „Der König von Berlin“, auf den Evers einen Ausblick gibt. Kommissar Lanner aus Cloppenburg wird nach Berlin versetzt, wo ihn die Kollegen als Landei aufziehen und schikanieren. Entsprechend merkwürdig beäugt ihn die Berliner Bevölkerung, wenn er mit seinem Dienstwagen, einem grün-weißen Streifenwagen, vorfährt und nach dem Weg fragt. Schließlich gilt es einen Mord im Kammerjägermilieu aufzuklären. Dabei werden auch Fragen der modernen „biologischen“ Schädlingsbekämpfung erörtert, etwa die Abwehr einer Rattenplage mithilfe von Schlangen und Krokodilen.

Großer Applaus für einen irrwitzig komischen Abend im Pantheon. In knapp zwei Wochen droht die Fortsetzung mit Komplizen: Dann gastiert Horst Evers als Moderator der Vorleser Wolf Haas, Kirsten Fuchs, Jess Jochimsen und Sebastian Krämer erneut am Bundeskanzlerplatz.


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