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Ballkultur – 21. Januar 2013 – Michael Hermann
BALLKULTUR

Pep

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Auch nicht schwerer als eine TV-Gewinnspielfrage: Was fehlte
den Bayern beim "glanzlosen Pflichtsieg" gegen Greuther
Fürth? (Foto: Theo Balt)

Ist Josep Guardiola wirklich der Wundertrainer, mit dem Bayern München „auf Jahre hinaus unschlagbar“ sein wird? Und wäre es da für den Unterhaltungswert der Ware Bundesliga nicht besser, wenn auch José Mourinho einen Bundesligisten trainierte?
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Ein zu den Branchenführern zählendes Unternehmen verpflichtet als leitenden Angestellten für den operativen Bereich einen Mann von 42 Jahren, der sich gerade mitten in einem Sabbatical befindet. An Berufserfahrung vorweisen kann er genau vier Jahre (2008-2012), in denen er als Cheftrainer für die erste Profi-Mannschaft  des CF Barcelona zuständig war. Von seinem Vorgänger Frank Rijkaard übernahm er seinerzeit ein intaktes Team, in dem bereits einige der prägenden Spieler (Xavi, Iniesta, Valdés und Puyol) standen, die dabei gewesen waren, als der CF Barcelona 2006 sein erstes Champions-League-Finale gewonnen hatte.

Wenn Josep Guardiola aber ein Wundertrainer ist, wie kommt es dann, dass er mit einer solchen Mannschaft die Champions League (CL) nicht viermal hintereinander gewonnen hat? Wieso hat Guardiola den „Fluch“ nicht brechen können, der seit Einführung der CL auf jedem Sieger liegt und dafür sorgt, dass noch keiner seinen Titel verteidigt hat? Hätte diese Mannschaft nicht vielmehr unter jeder sportlichen Leitung, selbst einem – selbstverständlich nur hypothetischen – Gespann aus Jürgen Klinsmann (Teamchef) und Lothar Matthäus (Drräner), Titel am laufenden Band geholt?


Auch Feierbiester haben mal fertig

Tatsächlich kann kein Mensch wissen, ob Guardiola außerhalb des CF Barcelona ein guter Trainer ist. Die Sucht des FC Bayern nach dem exklusiven Glamour-Faktor wird er fürs erste befriedigen, gleichwohl bleibt festzuhalten: Sportlich erfolgreichster Übungsleiter in den an spektakulären Trainerverpflichtungen wahrlich nicht armen letzten 15-20 Jahren war der stets um ein sachlich-seriöses Auftreten bemühte Ottmar Hitzfeld. Giovanni Trapattoni und Louis van Gaal haben immerhin nicht nur die Trophäensammlung des FC Bayern um je eine Meisterschaft und einen DFB-Pokalsieg, sondern auch die deutsche Sprache um einprägsame Redewendungen und Ausdrücke bereichert. Jürgen Klinsmann kommt indes das fragwürdige Verdienst zu, den Anteil überflüssiger Anglizismen im Fußballjargon weiter in die Höhe geschraubt zu haben.

Wie soll nun aber ein Trainer, der die hiesige Landessprache nicht spricht und dem Vernehmen nach seinen Landsmann Raul als Assistenten verpflichten will, den Unterhaltungswert der Bundesliga erhöhen? Wenn Guardiola „nur“ der exzellente Fußballfachmann ist, den alle in ihm sehen, wird er vielmehr die derzeit herrschende Langeweile in der Bundesliga noch potenzieren, sollten die Bayern unter ihm ihre Seriensiegerei fortsetzen und gegebenenfalls auch noch auf die europäische Ebene ausdehnen. Müssen dann neue Wettbewerbe erfunden (und gewonnen)  werden, damit Guardiola „neue Motivation“ und „neue Ziele“ findet und der FC Bayern und sein Präsident endlich einmal irgendetwas haben, das andere nicht haben?

Richtig lustig könnte es hingegen werden, wenn der bekannt schnelle Fremdsprachenlerner José Mourinho einen Bayern-Konkurrenten in der Bundesliga übernähme. Aber die Dortmunder wollen die Münchner ja nicht mehr nachahmen wie in jener unglückseligen Ära Ende der 90er Jahre, als sie teure Startrainer und -spieler engagierten und später beinahe Pleite gingen. Bliebe also noch Schalke übrig. Mit russischen Energiemultis als Versorger beziehungsweise Arbeitgeber hat „The Special One“ Mourinho ja Erfahrung. Um einen spöttischen oder provokanten Spruch ist er nie verlegen, und vor schwierigen Aufgaben schreckt Mourinho auch nicht zurück, wie er schon anlässlich seines Amtsantritts beim FC Chelsea 2004 unterstrich: “Wenn ich einen einfachen Job gewollt hätte, wäre ich in Porto geblieben: Wunderschöner blauer Stuhl, die Champions-League-Trophäe, Gott und nach Gott ich!”


Gesucht: Ein nicht abgeschmackt wirkendes Wortspiel mit Pep

José Mourinho wäre zweifellos das beste Mittel gegen das große Gähnen und gäbe eine interessante Reizfigur für die Bundesliga ab. Nun, was nicht ist, kann ja noch werden. Jetzt kommt erst einmal Josep „Pep“ Guardiola, dessen Spitzname in jedem Fall jede Menge beziehungsreiche Anspielungen und Überschriften in der Berichterstattung mit sich bringen wird. Es ging gleich am ersten Rückrunden-Spieltag los, als ein Internet-Sportportal nach dem „Pflichtsieg“ der Bayern gegen Fürth titelte: „Bayern fehlte der Pep“. Und bald schon wird die Wortspielmaschine gnadenlos auf höchsten Touren laufen. Wir warten bereits auf das unvermeidliche Lederhosenfoto mit der Überschrift „Pep jetzt ein echter Sepp“. Wahrscheinlich verpassen sie ihm dazu auch noch einen Seppelhut (aus dem, hahaha, ein „Peplhut“ wird).

Und wehe, die Bayern verlieren mal ein Spiel, dann heißt es bei der Vier-Buchstaben-Zeitung und ihren Artverwandten: „So macht sich Pep zum Depp!“. Aber es soll ja auch noch Qualitätsmedien mit anspruchsvollen Leserschaften geben. Ein Foto von Bayern-Spielern, die nach einer Niederlage in einem entscheidenden Spiel vereinzelt und verloren auf dem Feld herumstehen beziehungsweise -liegen, das schreit doch geradezu nach einer Bildunterschrift (BU) wie „Sgt. Pep‘s Lonely Hearts Club Band“, gell? Sicher hat auch schon jemand ein Foto mit Franzens Kaiserkrone auf Guardiolas Kopf und der BU „Jetzt schwingt Pep das Zepter” in Planung. Selbst für Musik-, Mode- und Kochzeitschriften ist der neue Glamour-Trainer mit diversen Varianten von „Salt & Pepper“ anschlussfähig. Am meisten gespannt bin ich allerdings, ob sich bald jemand einen naheliegenden Versprecher leistet – und eine Fußballweisheit von „Pep Herberger“ zitiert.

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